Dez11

Kunst braucht dynamische Beleuchtung

LUMITECH // Aktuelles

Kunst braucht dynamische Beleuchtung

 „Alles kann durch das Licht verändert, deformiert oder eliminiert werden. Es ist genauso geschmeidig wie der Pinsel“ sagte einst der amerikanische Fotograf, Filmregisseur, Maler und Objektkünstler Man Ray, der auch nach seinem Tode noch zu den bedeutendsten Künstlern des Dadaismus und Surrealismus zählt. Licht ist längst nichtmehr Mittel zum Zweck: Es wurde erkannt. Erkannt als Unterstützung, als Medium, als Leitgedanke und schlussendlich auch als Kunst.

Einer jener, die sich dem künstlerischen Wert des Lichts verschrieben haben, ist der österreichische Künstler Friedrich Biedermann. Seine Werke vereinen Licht und Kunst zu gefälligen Installationen, die beide Synonyme nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar machen. Ein Paradebeispiel erlebbarer Kunst ist der ortsunabhängige „Light Path“ (2016): Eine Installation im Laderaum eines LKWs, die den natürlichen Tageslichtverlauf mithilfe von hunderten nicht sichtbaren LEDs auf eine Minute komprimiert widergibt. Besucher sind eingeladen, die Installation zu betreten und sich so der Wirkung des Lichts bei melodischen Klängen der österreichischen Band „Sofasurfers“ vollends hinzugeben. Und eben jener Light Path hielt im Zuge einer Kunstausstellung vom 10. bis 11. November 2017 auch vor dem Arnulf Rainer Museum in Baden.

 

(v.l.n.r.) Rüdiger Andorfer, Geschäftsführer Arnulf Rainer Museum; Helga Krismer, Vizebürgermeisterin der Stadt Baden und Landessprecherin der Grünen NÖ; Friedrich Biedermann, Künstler im Inneren von LIGHT PATH, © by Christian Dusek

 

Die Bedeutung von Licht hat sich verändert

Mag. Rüdiger Andorfer ist seit 2012 Museumsdirektor des Arnulf Rainer Museums und erklärte sich zu einem Gespräch über moderne Beleuchtung in der Kunst bereit. Der ehemalige Restaurator, der 2001 seine Diplomarbeit zum Thema „Probleme der Erhaltung von bemaltem und durchgefärbtem Polyurethanweichschaum: Konservierung-Restaurierung von ‚Pietre di Fiume‘, Piero Gilardi“ verfasste, weiß genau, dass man flexibel und äußerst behutsam bei der Inszenierung künstlerischer Werke vorgehen muss. Umso erfreulicher, dass Andorfer im Zuge Biedermanns Lichtinstallation einige Werke des Museums Tageslicht-Leuchten der kooperierenden Firma KITEO anvertraute.

 

Lichtinstallation im Arnulf Rainer Museum mit automatischem Tageslichtverlauf und Effektbeleuchtung

 

„In der Kunst spielt jedes Detail eine Rolle und daher legen auch viele Künstler bei Ausstellungen großen Wert auf ein stimmiges Gesamtbild. Dasselbe Licht kann unabhängig vom Werk eine völlig andere Raumsituation schaffen“, weiß Andorfer. Als große Herausforderung gelte, die Ausstellung wie aus einem Guss wirken zu lassen. „Markus Lüpertz, zum Beispiel, wollte seine Skulpturen wie in einem Spotlight thematisch und punktgenau beleuchtet haben. Es ging darum, Skulpturen und Bilder in Stimmung zu setzen. Die Räume wurden durch das Gefüge von Licht und Werk zu Gesamtkunstwerken.“ Um dies den Vorstellungen des Künstlers entsprechend umzusetzen, war Lüpertz höchstpersönlich im Zuge des Aufbaus zehn Tage vor Ort.

 

„Es hat sich in den letzten Jahren viel getan.“, sagt Andorfer und referiert u.a. auf viele Neubauten: „Es wird architektonisch und elektronisch Rücksicht auf die Beleuchtung genommen. Sie ist sozusagen die Seele des Baus.“ Es sei allerdings schwierig, stets auf aktuelle Trends einzugehen, unter anderem auch aufgrund der Mitsprache vieler miteinzubeziehender Parteien.

 

Intelligente Beleuchtung als Zukunftsweiser

Die Kunstinstallation Biedermanns sei von den Besuchern begeistert aufgenommen worden, meint Andorfer. Der Tageslichtverlauf war sehr beeindruckend und es müsse noch weitere Vermittlungsarbeit getätigt werden um zu verstehen, welch innovative Technologie hinter der angewandten Technik stecke. Ein großes Potenzial sieht der Museumsdirektor auch in der Anwendung von dynamischen Steuerungen, wie z. B. der „myPI-LED“ Applikation. In Kombination mit einer Leuchte mit PI-LED Technologie kann mithilfe einer handelsüblichen Kamera ein gewünschter Punkt oder Bereich in einem zuvor aufgenommenen Foto markiert werden und die App kalkuliert vollautomatisch das optimale Weißlicht für den jeweiligen Zweck – und das völlig ohne Farbmanipulation.

K-FORUM aus dem Hause KITEO mit integrierter PI-LED Technologie, um den natürlichen Tageslichtverlauf optimal darzustellen.

„Beim Aufbau herrscht meistens eine Art weihnachtliches Chaos: Kisten und Ware vermischen sich, als Beleuchtung dient Putzlicht. Erst wenn alles hängt kann man damit beginnen, alles in einen Guss zu bringen.“, so Andorfer. „Die Möglichkeit einer dynamischen Steuerung sehe ich daher als enorme Arbeitserleichterung mit hohem wirtschaftlichem Wert. Statt zumindest zwei Personen und der Miete für den notwendigen Hubwagen würde sich die Anzahl der benötigten Ressourcen bei der Einstellung des optimalen Lichts auf eine Person reduzieren.“

Mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von ca. 50.000 Stunden ist eine LED-Leuchte zudem ungefähr 12,5-mal länger haltbar als eine Halogenlampe. „Wir müssen jährlich sehr oft kaputte Leuchten tauschen. Meistens entsteht dann ein leuchtender ‚Fleckerlteppich‘, weil die neuen Lösungen sich nie optimal einfügen.“ Die genaue Justierbarkeit der Farbtemperatur ist somit ein wichtiger Faktor, der dank moderner Technologie nun auch immer mehr Zugang findet. Darüber hinaus wird damit auch dem Künstler ermöglicht, die für sein Werk gewünschte Lichtfarbe schnell und einfach auszuwählen. „Es ist fantastisch, was man heutzutage alles rausholen kann“, so Andorfer.

Dabei stellt sich unmittelbar die Frage: „Unter welcher Farbtemperatur entfacht das Kunstwerk sein volles Potenzial?“ Dieser Leitfrage widmet sich übrigens Friedrich Biedermann in Zusammenarbeit mit Architektin Andrea Graser, die dazu ein Forschungsprojekt an der Universität für Angewandte Kunst, Wien leitet. In den dafür eigens eingerichtete Räumlichkeiten werden erste Ergebnisse präsentiert und einem größeren Publikum zugänglich gemacht.